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Malerei der Gotik in Italien (German)
English, Dutch and French translations
SCALA Group, 2011, 317 pages, Hardcover, ISBN: 9788866370000
Die Künstler der Renaissance waren es, die den ursprünglich als francigenum opus, also als “französische Machart" bekannten Stil als “gotisch" bezeichneten. Ihre abwertende Haltung war dabei eindeutig: Die sich als Restauratoren der ästhetischen und technischen Vollkommenheit der klassischen Antike betrachteten, gebrauchten das Wort als Synonym für „barbarisch". Doch die Gotik ist ein überaus innovativer Stil. Sie entwickelt sich um die Mitte des 12. Jahrhunderts in Frankreich, wo sie sich zunächst in der Architektur und der Bildhauerei manifestiert. Die Malerei bleibt zunächst den byzantinischen Formen verhaftet und erneuert sich erst im Verlauf des 13. Jahrhunderts radikal. Einen wesentlichen Anteil an den Veränderungen hat der Maler Giotto. Die Gotik entwickelt sich in der Epoche der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und des Aufstiegs der großen europäischen Monarchien, die sich auf eine leistungsfähige Bürokratie stützen und auf das mächtige städtische Bürgertum. Doch ihre Rechnung können die Königshäuser nicht ohne die zahlreichen Machtzentren des alten Feudaladels machen, die zu jenem Zeitpunkt auch aktive und fruchtbare Zentren von Kunst und Kultur sind. Die Entwicklung der gotischen Malerei geht mit der Stärkung des neuen Bürgertums städtischer Kaufleute einher, die dank des enormen Zuwachses an Handelsgeschäften zu Reichtum kommen und eine Vielzahl an Kunstwerken in Auftrag geben. Nicht nur Fresken zählen dazu, sondern insbesondere Altarretabel, die neben den Miniaturen binnen kurzer Zeit zur beliebtesten Kunstform Europas werden. Vor allem in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist die Malerei der Gotik zugleich Ausdruck der vornehmen ritterlichen Kultur der europäischen Höfe, an denen sich durch reisende Künstler und einen regen Kunsthandel ähnliche Lebensmodelle und -stile herausbilden. In dieser Epoche erlebt auch die Darstellung weltlicher Thematiken in der Kunst des Okzidents eine erste Blüte. Doch die Kunst der Gotik ist nach wie vor und in erster Linie Ausdruck der tiefen Spiritualität des Mittelalters, die sich, getrieben vom Expansionsstreben junger religiöser Orden, im Neu- und Wiederaufbau unzähliger Kirchen und Klöster widerspiegelt. Viele Gemälde und Fresken zierten Altäre und Wände der Kapellen. Die traditionellen Themen werden von neuen ikonographischen Inhalten verdrängt, in denen das Menschsein von Christus, Maria und den Heiligen hervorgehoben wird und die Darstellung der Szenen aus ihrem Leben von einem völlig neuen Realismus in den anatomischen Einzelheiten, der räumlichen Umgebung und den Details des Alltagslebens geprägt ist.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Auf dem Weg zu einem neuen Malstil: die Vorläufer
Giotto und die Eroberung der wirklichen Welt
Die Malerei des 14. Jahrhunderts in Siena
Der neue Stil setzt sich durch: Schüler und Nachfolger Giottos
Der Reichtum eines voll entwickelten Stils: die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts
Die große Ära der höfischen Malerei
ANHANG
Die Gotik in Europa
Book info text in English
It was Renaissance artists who first labeled the style originally known as francigenum opus, or "French style," as "Gothic." Their pejorative stance was unequivocal: those who saw themselves as restorers of the aesthetic and technical perfection of classical antiquity used the word as a synonym for "barbaric." Yet Gothic is an exceptionally innovative style. It developed around the mid-12th century in France, where it initially manifested itself in architecture and sculpture. Painting remained bound to Byzantine forms at first, only undergoing radical renewal during the 13th century. The painter Giotto played a significant role in these changes. Gothic developed during the era of the dissolution of the Holy Roman Empire and the rise of the great European monarchies, which relied on efficient bureaucracies and powerful urban bourgeoisies. However, the royal houses could not rely on the numerous centers of power of the old feudal nobility, which at that time were also active and fertile centers of art and culture. The development of Gothic painting coincided with the rise of the new bourgeoisie of urban merchants, who amassed wealth thanks to the enormous growth of trade and commissioned a multitude of artworks. These included not only frescoes but especially altarpieces, which, alongside miniatures, quickly became the most popular art form in Europe. Particularly in the second half of the 14th century, Gothic painting was also an expression of the refined, chivalric culture of European courts, where similar lifestyles and models of living developed through traveling artists and a vibrant art market. During this period, the depiction of secular themes in Western art also experienced its first golden age. However, Gothic art remained, first and foremost, an expression of the profound spirituality of the Middle Ages, which, driven by the expansionist ambitions of newly formed religious orders, was reflected in the construction and reconstruction of countless churches and monasteries. Many paintings and frescoes adorned altars and the walls of chapels. Traditional themes are replaced by new iconographic content that emphasizes the humanity of Christ, Mary, and the saints, and the depiction of scenes from their lives is characterized by a completely new realism in the anatomical details, the spatial environment, and the details of everyday life.