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Geschichten auf Gold

Bilderzählungen in der frühen italienischen Malerei

Herausgegeben von Stefan Weppelmann

DuMont, 2005, 296 pages, Hardcover, ISBN: 9783832176761

Mit der italienischen Malerei des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit verbindet sich im Allgemeinen die Vorstellung von ikonenhaften, von tiefer Religiosität geprägter Andachtsbilder. Die vorliegende Publikation führt dem Betrachter nun vor Augen, dass die italienische Goldgrundmalerei weit mehr war als nur ein Andachtsmedium. Die umfangreiche Sammlung wurde anlässlich des 175jährigen Jubiläums der Gemäldegalerie Berlin statt findenden Ausstellung durch eine außerordentliche Anzahl von Leihgaben ergänzt. So gelang es, das Hochaltarbild von Ugolino de Nerio aus der Kirche Santa Croce in Florenz erstmalig seit seiner Zerlegung im 19. Jahrhundert wieder zusammenzuführen und in seiner Originalgröße auszustellen.

Die Wirkung der Goldgrundmalerei am ursprünglichen Aufstellungsort zu untersuchen, haben sich die Kuratoren dieser einzigartigen Ausstellung zur Aufgabe gemacht. Eine der Publikation beiliegende CD-Rom zeigt in einer aufwändigen 3D-Animation die Rekonstruktion des Aufstellungsortes und der Raumsituation in der Kirche, die sogar den Lichteinfall durch die großen farbenprächtigen Kirchenfenster simuliert. Das Ergebnis ist ein eindrucksvolles Zusammenspiel von Raumstruktur und Altaraufbau, der zeigt wie geschickt der Künstler die Lichtverhältnisse im Altarraum zur Unterstreichung der Wirkung seines Kunstwerkes zu nutzen verstand.

Die Altarpredellen, kleinere Tafeln unterhalb des Hauptaltarbildes erzählen in detailreichen und deutlich naturalistischen Bildern vom Leben der Heiligen und biblischen Gestalten. Das Hauptaugenmerk der wissenschaftlichen Untersuchungen liegt dabei auf der Umsetzung von Schriftquellen in Bildgeschichten sowie der Identifizierung von Erzählstruktur und Grammatik.
Dieses Buch zeigt anhand von zahlreichen farbigen Reproduktionen, wie hoch entwickelt die Kunst des Spätmittelalters bereits war. Es lädt ein, die anrührenden Geschichten zu erforschen, die uns die Bilder noch heute erzählen können.

Die Ausstellung in der Gemäldegalerie Berlin ist die erste zum Thema der frühen italienischen Malerei in Deutschland seit 1950, als die Staatsgalerie Stuttgart eine von Robert Oertel kuratierte Schau zeigte.

Inhaltsverzeichnis

Bernd Wolfgang Lindemann

Vorwort

Stefan Weppelmann

Das Bild als Medium der Erzählung | Eine Einführung

Reimar F. Lacher

Solly, Hirt und die frühe italienische Malerei | Ein Kapitel aus der Gründungsgeschichte der Berliner Gemäldegalerie

Stefan Weppelmann

Geschichten auf Gold in neuem Licht | Das Hochaltarretabel aus der Franziskanerkirche Santa Croce

Alessandra Galizzi Kroegel

Zwischen Tradition und Innovation: Zur Ikonographie von Passion und Heiligenviten

Susanne Mädger

Die Predella als Ort der Bilderzählung im toskanischen Altarwerk des 14. und 15. Jahrhunderts

Reimar F. Lacher

Elemente einer Zeitgrammatik der Bilderzählung in der frühen italienischen Malerei

Iris Wenderholm

Aura, Licht und schöner Schein | Wertungen und Umwertungen des Goldgrunds

Rainer Wendler

Die Verwendung von Blattgold in der Tafelmalerei

Stefan Weppelmann und Stephan Winkler

Digitale Kunstgeschichte? Eine Fallstudie an Ugolinos Altarwerk aus Santa Croce